Besprechung
Radegundis Stolze. Hermeneutisches Übersetzen: Linguistische Kategorien des Verstehens und Formulierens beim Übersetzen
Tübingen: Narr, 1992. 388 Seiten ISBN 3-8233-4223-1 DM 86,-. (Tübinger Beiträge zur Linguistik, 368).

Rezensiert von Frank G. Königs
Bochum

Inhaltsverzeichnis

    Der hermeneutische Zugriff, verbunden vor allem mit dem Namen von Fritz Paepcke, ist in der Übersetzungswissenschaft durchaus kritisch rezipiert worden. Erinnert sei an die massive Kritik von Katharina Reiß oder Werner Koller, die diesem Zugriff auf das Phänomen Übersetzen vorgeworfen haben, daß er nicht präzise genug argumentiere und intersubjektiv zu wenig nachvollziehbar sei. Der Anspruch des vorliegenden Buchs ist auch unter dieser Prämisse kein kleiner: die normative Übersetzungstheorie von vorgestern und der kontrastive Ansatz von gestern sollen in eine Konzeptualisierung der Übersetzungspraxis von heute führen (so ähnlich S. 14), oder anders: "Wenn das Übersetzen als ein Handeln im Sprachlichen angesehen wird, so leitet sich daraus die wissenschaftliche Aufgabe ab, jene Kategorien linguistisch zu beschreiben, die die übersetzungsrelevanten Entscheidungen regieren" (S. 15). Diese Kategorien liefern die Überschriften für die Kapitel und Abschnitte des Buches. In der Tat findet der Leser Abhandlungen zu mehreren linguistischen Begriffen und Konzepten. Im ersten Drittel des Buches geht es um Aspekte der Translation und dabei vor allem um Fragen der Kommunikation, der Interpretation und der Verbalisierung. Die Verfasserin versucht das Übersetzen auf die Erkenntnisweisen des Individuums zu beziehen, setzt sich mit der Rolle des Sprachbewußtseins auseinander sowie mit der des Sprachgefühls; sie beschreibt die Individualität von Texten, widmet sich dem (hermeneutischen) Verstehen von Texten, grenzt es von Nichtverstehen ab und exemplifiziert ihre Position zur Textexegese. Ferner wird die Äquivalenzproblematik diskutiert, Übersetzen als evolutiver Prozeß definiert, das Formulieren als ganzheitlicher [ p. 106 ]Sprachentwurf beschrieben und der Frage nachgegangen, wie sich denn der Übersetzer im Sprachverhalten identifiziere.

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